Klauen Daten & Fakten

„Unabhängig von der Haltungsform führt jede Abweichung der Klauenform von einer funktionell günstigen zu einer Verschlechterung der Klauengesundheit.“ Dieses Zitat von Junge (1983) legt die Notwendigkeit nahe, dass das Rind, sobald es aus seinem natürlichen Lebensraum entfernt wird, auf eine anatomische und funktionelle  Korrektur des Hornschuhes angewiesen ist. Aus diesem Grund hat sich in den letzten Jahren eine Methode durchgesetzt, die mittlerweile auch an den tierärztlichen Bildungssätten gelehrt wird. Dabei handelt es sich um die von E. Touissaint Raven gesetzte Methode der funktionellen Klauenpflege nach dem 5-Punkte Schema.

Nicht infektiöse Klauenerkrankungen

Klauenrehe (subklinische, chronische)

Wandläsion ( Wand -Sohlengeschwür)

Weiße Linie Defekt

Sohlenspitzengeschwür

Klauensohlengeschwür in untypischer Lokalisation

Rusterholz'sches Sohlengeschwür

doppelte Sohle

Steingalle (Druckstelle)

Infektiöse Klauenerkrankungen

Klauenfäule

Mortellaro´sche Krankheit

Panaritium

Ballenhornfäule


Klauenpflege und Einfluss der Klauengesundheit auf die tägliche Milchleistung

Milchkühe, bei denen regelmässig eine sachgemäße, funktionelle Klauenpflege durchgeführt wird, weisen signifikant weniger Klauenläsionen auf (BERGSTEN et al., 1998) Sowohl in Anbinde- als auch in Laufstall-haltung tritt bei regelmäßiger Pflege (Ø alle sechs Monate) eine Verbesserung der Klauengesundheit ein (Huber et al.,2004). So stellte Somers (2004) bei einem Klauenpflegeintervall von über sieben Monaten im Lauftstall vermehrt Dermatitis Digitalis, Dermatitis Interdigitalis und Ballenfäule fest. Geht die Regelmäßigkeit der Klauenpflege verloren, bleibt auch der präventive Effekt auf die Klauengesundheit auf der Strecke.

Wie wichtig die funktionelle Klauenpflege ist, zeigt auch eine Studie von SOGSTAD et al. (2007), in der sich die funktionelle Klauenpflege positiv auf die Milchleistung auswirkt.

Kühe in der ersten Laktation gaben nach dem Klauenschneiden durschschnittlich 0,47 kg/d mehr Milch, Kühe in späteren Laktationen durchschnittlich 0,51 kg/d Milch mehr als noch vor dem Klauenschneiden. Der Effekt der Klauengesundheit auf die tägliche Milchleistung streut weit. Je nach Laktationszahl und Laktationsphase kann es bei klauenkranken und/oder lahmen Tieren zu täglichen Milchverlusten von 1,5 kg bis 8,0 kg kommen  (ENTING et al., 1997; RAJALA-SCHULTZ et al., 1999; YERUHAM et al., 2000; WARNICK et al., 2001; JUAREZ et al., 2003; MAIER,2006; BACH et al., 2007; AMORY et al., 2008; BICALHOmet al., 2008; BLACKIE et al., 2008; KÖNIG et al., 2008). Besonders für lahme Tiere in der ersten Laktationsphase ist eine signifikant niedrigere tägliche Leistung zu verzeichnen als für gesunde Vergleichstiere (MAIER, 2006).


Einfluss der Klauengesundheit auf die Lebensleistung

Lahmheiten und Klauenerkrankungen verringern nicht nur durch eine veränderte tägliche Milchleistung eine verkürzte Laktationsdauer und somit auch einer veränderten  Laktationsleistung die Lebensleistung des jeweiligen Tieres, sondern beeinflussen mit der Entscheidung zum Abgang auch dessen Nutzungsdauer (CRAMER, 2008).

Einflussfaktoren auf die Klauengesundheit

 Die Klauengesundheit ist von vielen Faktoren abhängig. Neben intrinsischen Risikofaktoren, wie die metabolische Stoffwechsellage des Tieres, Leistungslevel, Immunstatus, Body-Condition-Score und Genetik, wirken auch extrinsische Risikofaktoren mechanischer, chemischer und physikalischer Art, wie Haltung, Fütterung und Managament, auf die Rinderklaue ein (MÜLLING und HAGEN, 2012). In über 90 % der Fälle werden Lahmheiten durch Erkrankungen an der Klaue verursacht (Shearer, 1998; Mülling et Greeough, 2006).

Zucht, Genetik und Rasse


Managament und Umwelt haben zwar weit größeren Einfluss als die Genetik, ein erblicher Einfluss für Krankheiten des Fundaments, abnorme Klauenformen und Klauenhorneigenschaften ist jedoch sicher (DIStL, 1996; LOGUE et al., KOENIG et al., 2005; VAN DER LINDE et al., 2010; OBERBAUER et al., 2013). So liegt die Heritabilität für Gliedmaßenstellung und Klauenform zwischen 0,02 und 0,30 und ist von großem Interesse für die Zuchtwertschätzung (DISTL, 1996; BOETTCHER et al., 1998 KOENIG et al.,

2005; HARDER et al., 2006; LAURSEN et al., 2009; ZINK et al., 2011; WEBER et al., 2013).

Studien zeigen, dass rassebedingte Unterschiede bezüglich der Klauengesundheit bestehen.  Beobachtet  man die bayrischen klauen- und gliedmaßenerkrankungsbedingten Abgänge aus dem Jahr 2012, so fällt auf, dass die Rasse Holstein-Friesian mit 11,0 % vor allen anderen Rassen liegt (Braunvieh 10,8 %, Fleckvieh 9,3% , Jersey 4,3 %) (LKV, 2013b).


Haltung

Die Haltung stellt neben der Fütterung das Hauptrisiko für Klauenkrankheiten dar (MÜLLING u. HAGEN, 2012). Verschiedene Haltungssysteme stellen dabei unterschiedliche Bedingungen an die Klaue und nehmen Einfluss auf die Klauengesundheit. In Bayern wurden 2011 58,2%  aller Milchkühe in Anbinde-haltung und 41,8% in Laufställen und Aussenklima-ställen gehalten (LKV,2012). Rinder in Anbindeställen weisen durchschnittlich ein geringeres Klauenproblemrisiko auf als solche, die in Laufställen gehalten werden (FAYE u. LESCOURRET, 1989; COOK, 2003; HASKELL et al, 2006; COOK 2008; KUJALA, 2008). Während Fiedler (2000) in der Anbindehaltung bei 28% der Tiere mindestens eine behandlungswürdige Krankheit feststellt, sind im Laufstall mit 47% deutlich mehr Tiere betroffen. In Laufställen herrscht laut der meisten Studien ein erhöhtes Dermatitis Digitalis-Risiko.

(Fiedler, 2000; BIELFELDT et al., 2005; SOGSTAD et al., 2005b; CRAMER et al., 2008).  Lauftstalltiere hatten in einer Studie von Huber (2002) ein doppelt so hohes, in einer Studie von Fiedler (2000) sogar ein rund dreimal so hohes Erkrankungsrisiko als Tiere in der Anbindehaltung. Der oft schlechtere Hygienestatus in Laufställen führt zudem zu einem meist höherem Infektionsdruck für Laufstalltiere als für Tiere im Anbindestall (Fiedler 2000). Typische Sohlengeschwüre wie das Rusterholz´sche Sohlengeschwür kommen hingegen gehäuft in der Anbindehaltung vor. Fiedler (2000) berichtet von einem fast doppelt so hohem Risiko verglichen mit Laufstalltieren und begründet dies mit der sogenannten „Stallklaue", die im Anbindestall durch fehlenden Abrieb und vernachlässigter Klauenpflege häufiger vorzufinden ist und unphysiologische Belastungen auf das Tuberculum flexorium provoziert.